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Der Aztekensalbei ist auch unter den Bezeichnungen Göttersalbei oder Zaubersalbei bekannt. Die Mazateken gaben dem Lippenblütler den Namen “Ska Maria Pastora”, was soviel wie “die Blätter Maria der Schäferin” bedeutet. Aztekensalbei kommt in seiner wilden Form nur in den Regenwäldern der Sierra Mazateka vor. Man vermutet, dass spanische Eroberer die Pflanze einst nach Mexiko mitbrachten und in dem Gebirge im Norden des Bundesstaates Oaxaca ansiedelten. Inquisitionsberichte des ausgehenden 17. Jahrhunderts erwähnen eine Pflanze namens “Pipilzitzintl”, welche von den Azteken verwendet wurde. Man vermutet, dass es sich hierbei um Aztekensalbei handelte, welcher nach dem Zerfall des Aztekenreiches an seinen heutigen Standort gebracht wurde.
Die frischen Blätter der Pflanze enthalten Diterpene, besonders die Neocleridan-Diterpene Divinorin A und B, sowie Loliolid. Weitere Wirkstoffe sind noch nicht erforscht worden. Das alte Zaubermittel der Mazateken stützt sich auf den halluzinogenen
Wirkstoff Salvinorin A oder auch Divinorin A, welcher bereits in geringen Konzentrationen von 150 bis 500 Milligramm extreme psychische Reaktionen auslöst. Salvinorin A gilt als stärkstes in der Natur vorkommendes Halluzinogen.
Erstmals erwähnt wurde die Pflanze im Jahre 1938 von J. B. Johnson. Das Ehepaar Wasson beschrieb Aztekensalbei in den 1960er Jahren näher. Der Hobby-Mykologe und die Kinderärztin wurden Zeuge der magischen Rituale der Mazateken. Sterling Bunnell brachte im Jahre 1962 den Aztekensalbei in die USA. Seit den 1970er Jahren wird die Pflanze weltweit kultiviert. Es entstanden Züchtungen wie Julieta, Paradox, Blosser oder Green Witch Queen.
Seit Generationen verwenden die Mazateken die Pflanze für ihre schamanischen Riten. Das Indianervolk im Süden Mexikos umfasst etwa 150 000 Personen. Das arme Bergvolk besitzt eine Geschichte, welche bis in das 7. Jahrhundert zurückreicht. Die
Curanderos, die Schamanen der Mazateken, verwenden den Aztekensalbei auf zweierlei Weise.
Bis zu zehn Blätter stellen eine relativ niedrige Dosis dar, welche keine halluzinogene Wirkung aufweist. Hiermit werden körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Rheuma oder Blutarmut gelindert. Auch gegen eine magische Erkrankung, welche die Mazateken “sic” nennen und die ein Anschwellen des Bauchraumes zur Folge hat, ist der Aztekensalbei hilfreich.
Höhere Dosen werden im Rahmen von Wahrsagerritualen eingesetzt. Dabei schafft die Pflanze in der Gedankenwelt der Mazateken die Verbindung zwischen Mensch und Himmelreich. Die Mazateken halten den Aztekensalbei für ein bedeutendes Minzgewächs. Er verkörpert dabei die weibliche Pflanze und stellt einen Bezug zur Jungfrau Maria her. Dies verdeutlicht wiederum die Vermischung verschiedener Glaubensrichtungen, da eine Schäferin Maria im christlichen Glauben nicht bekannt ist.
Die Schamanen durchlaufen eine mehrjährige Ausbildung, wobei sie auch mit der Wirkung von Aztekensalbei vertraut gemacht werden und das vom Geist der Pflanze vermittelte Wissen empfangen. Die Rituale werden stets nachts durchgeführt und haben das Ziel, böse Geister zu vertreiben und Visionen aus der Götterwelt zu empfangen. Oft wird der Aztekensalbei in Verbindung mit Psilocybin-Pilzen eingesetzt, um die Wirkung zu verstärken. Das magische Ritual beginnt stets mit einer von Gesängen und Gebeten begleiteten Reinigung. Der Schamane bittet die Pflanze um ihren Segen und teilt das Anliegen der Zeremonie mit. Wird der Aztekensalbei geraucht oder inhaliert, tritt die Wirkung bereits nach wenigen Sekunden ein und hält zwischen sechs und zehn Minuten
an. Die Blätter werden stets paarweise verwendet, was das männliche und weibliche Prinzip verdeutlicht. Üblich ist es auch, die frischen Blätter zu einer Priem genannten Zigarre zu rollen und den Saft über die Mundschleimhaut aufzunehmen. Hier wirkt die Droge etwa nach einer Viertelstunde, kann aber über Stunden anhalten.
Sinn des Rituals ist es, die Visionen nach der Einnahme der Droge zu deuten und zu besprechen. Aztekensalbei kann verschiedene Reaktionen auslösen. Unter anderem ist der Verlust des Körpergefühls beobachtet worden. Betroffene hatten das Gefühl, in verschiedene Richtungen bewegt zu werden und sich inmitten zweidimensionaler Oberflächen zu befinden. Auch ist beobachtet worden, dass man das glaubt, sich in bestimmt Objekte zu verwandeln und wie sie zu fühlen. In einer Studie ist dies einmal sehr anschaulich anhand eines Baumes beschrieben worden. Häufig fühlt man sich nach der Einnahme der Pflanze in Orte aus seiner Kindheit zurück versetzt oder hat das Gefühl, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Betroffene machen einen unwirklichen und maskenhaft
en Eindruck und lachen oft hysterisch und unkontrolliert. Aztekensalbei hat jedoch ein geringes Suchtpotenzial und bereits geringe Störungen, wie Lichteinfall oder Geräusche, können den Rauschzustand unterbrechen.
In den meisten Ländern ist der Besitz des Aztekensalbei legal. In Deutschland fällt die Pflanze seit 2008 unter das Betäubungsmittelgesetz. Entsprechende Einschränkungen zum Bezug von Aztekensalbei liegen auch in Italien, Dänemark oder Australien vor. Nebenwirkungen beim Konsum von Aztekensalbei sind in Form von Übelkeit, Schweißausbruch oder Kontrollverlust beobachtet worden. Um Verletzungen auf Grund von unkontrollierten Bewegungen zu vermeiden, sollte der Aztekensalbei niemals ohne Aufsicht konsumiert werden. |